Lilly Martin – im Hier und Jetzt

Fabia Bernet Veröffentlicht am: 26. April 2015 Kategorie: Blues, Magazin, Soul < zurück

Ich stehe bei der Blues und Soul Sängerin Lilly Martin in der Küche. Es ist hell und duftet nach Kaffee. Die letzten Details für das bevorstehende Interview werden besprochen. „Ich hoffe es ist kein Problem, wenn ich beim Thema Musik ins Englische wechsle“, sagt die gebürtige New Yorkerin in praktisch akzentfreiem Deutsch. Musik sei eine Herzensangelegenheit, da vergesse sie jegliche Deutschkenntnisse.

Wir setzen uns an den Esstisch und ich beginne sie mit Fragen zu löchern. Ihre Augen leuchten, sobald wir über ihren Beruf sprechen. Auf Berufskollegen wie Polo Hofer oder Philip Fankhauser angesprochen, gerät sie ins Schwärmen. Konkurrenzgedanken oder Eifersucht kennt sie nicht.

Lilly Martin ist eine Frau, die Musik lebt und liebt.

Du bist ursprünglich aus New York. Nun lebst Du aber schon seit ca. 30 Jahren in der Schweiz. Wie kam es dazu?Liebe. Mittlerweile ist es aber nicht mehr nur die Liebe zu einem Menschen. Ich habe mich in das Land verliebt. Es ist aber wichtig für mich, dass die Möglichkeit einer Rückkehr stets besteht. Meine Herkunft beeinflusst mich enorm bei meiner Musik.

Inwiefern unterscheidet sich der Umgang mit der Musik in den Vereinigten Staaten im Vergleich zu der Schweiz?
Die Musik ist in den USA ein Teil des täglichen Lebens. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass meine Familie sich intensiv mit Kunst beschäftigt hat und wir viele Musiker zu Besuch hatten.

Diese Betrachtung ist nicht nur eine Frage des Landes, sondern viel mehr eine Frage der Zeit. Als ich in die Schweiz kam, war die Musik noch nicht so präsent wie sie Heute ist. Es getrauen sich jetzt viel mehr junge Bands ihr Können unter Beweis zu stellen. Das finde ich grossartig.

Du arbeitest als Vocal-Coach, singst Duette, schreibst Songtexte und bist mit deiner Band unterwegs. Welcher Aspekt deines Berufes erfüllt Dich am Meisten?
Das ist eine schwierige Frage. Ich liebe alle Facetten. Klar, man stellt sich schon die Frage, ob man mit 70 Jahren noch auf der Bühne stehen möchte. Doch ehrlich gesagt: „Who cares?“. Wenn ich Lust darauf habe, werde ich das auch machen. Ich habe nie Musik gemacht um berühmt zu werden. Es ist etwas, das ich machen muss.

Bei so vielen Tätigkeiten braucht es viele Ideen. Wovon lässt Du dich inspirieren?
Ich lasse mich von allem Möglichen inspirieren. Das können zum Beispiel andere Bands sein. Nicht in erster Linie mit ihrer Musik, sondern mehr mit deren Emotionen. Ich schaue mir gerne Live-Performances an. Da ist nicht immer alles perfekt. Aber es sind genau diese Nuancen der Menschlichkeit, die mich inspirieren.

Am 9. Mai spielst Du am Musig am Zürisee Festival. Ein Heimspiel sozusagen. Freust Du dich?
Klar! Ich werde vor vielen bekannten Gesichtern spielen. Früher hätte mich das nervös gemacht. Heute ist es mir egal ob ich vor drei Freunden singe oder vor 3000 fremden Menschen.

Du wirst gemeinsam mit deiner Band auftreten. Was zeichnet euch als Gruppe aus?
Wir spielen gerne zusammen. Ich glaube, das Publikum merkt schnell, ob die Chemie auf der Bühne stimmt. Wir harmonieren gut miteinander. In unserer Band gibt es keine Divas.

Bald erscheint dein neues Album „Right Now“. Wie ist es zu diesem Titel gekommen.
Nun ja, was gibt es wichtigeres als das Jetzt? Man sollte immer im Hier und Jetzt leben. Ich bin Heute genau da, wo ich immer sein wollte. Privat und im Beruf. Besonders freut mich, dass Ellis Hall (ehemaliger Sänger von Tower Of Power) auf der CD vertreten ist. Der Song „Next to me“ mit ihm, veröffentlichten wir bereits als Single. Das Lied wird auch gerade oft von Radio1 gespielt. Nach der Plattentaufe im Scala in Wetzikon spielen meine Band und ich an vielen Blues und Jazz Festivals. Darauf freue ich mich schon sehr.

www.lillymartin.info