Wenig Echo für Jazzkonzerte

Veröffentlicht am: 24. Februar 2015 Kategorie: Musikszene < zurück

Die Jazzsveranstalter am rechten Zürichseeufer kämpfen um’s Überleben. Trotz Sponsoren ist jedes Konzert ein finanzieller Hochseilakt, wie zum Beispiel die kommenden Jazztage im Stäfner Rössli.

Jérôme Stern*

“Die Jazzkonzerte liefen immer harzig”, erklärt Paul Rostetter. Er muss es wissen, schliesslich organisierte er im Rössli bis zu seinem letztjährigen Rücktritt viele Jazzveranstaltungen. “Darum mussten wir diese Konzerte bis auf die jährlichen Jazztage reduzieren.” Während bekannte lokale Musiker immerhin bis zu 100 Besucher anlockten, waren es bei unbekannten viel weniger. “Das Stammpublikum für solche Anlässe zählte vielleicht zehn Leute”, schätzt Rostetter. Auch Marielen Uster von der Feldner Kulturschiene steht bei ihren hochkarätigen Jazzkonzerten vor denselben Schwierigkeiten. “Ich organisiere solche Konzerte, weil ich diese Musik liebe”, sagt sie und fügt sogleich hinzu: “Trotz Sponsoren und Gönner braucht es aber viel Mut!” Nun ist es nicht so, dass Jazzkonzerte in der Stadt Zürich wesentlich besser besucht wären. Doch als wichtigste Jazzbühne kann beispielsweise das Zürcher Moods auf Subventionen zählen und seine Musiker dadurch fair bezahlen, während andere Veranstalter schlicht keine Gagen ausrichten. Sowohl Kulturschiene als auch Rössli erhalten zwar Gönner-oder Sponsorenbeiträge, doch ohne die persönliche Leidenschaft der Veranstalter ständen auf beiden Bühnen keine Jazzmusiker.

Dixieland oder Free-Jazz?
Einen anderen Weg geht Rolf Schweizer als OK-Präsident der Meilemer Jazztage. Anstatt zeitgenössischem Jazz präsentiert er jeweils Oldtime-Jazz und Blues. Da diese Musikstile wesentlich eingängiger sind, erfreut sich das Meilemer Festival seit mittlerweile 29 Jahren einer konstanten Beliebtheit. Doch auch diese Konzerte benötigen neben Sponsorgeldern viel Leidenschaft, so erledigt Rolf Schweizer das Booking und die Vorbereitungen für die Jazztage zwischen seiner täglichen Arbeit. “Das braucht extrem viel Zeit. Wenn ich das nicht während meiner Zeit im Tabakgeschäft erledigen könnte, ginge das nicht”, betont er. Trotzdem findet er, fünf Jahre als OK-Präsident seien genug. “Ich möchte aufhören, bevor es sich totläuft und ich keinen Spass mehr daran habe.” Verständlich, wenn man weiss, dass er mit den Vorbereitungen für’s nächste Festival begann, kaum war das letzte vorüber. Die diesjährigen 30. Jazztage seien somit die letzten, sagt Schweizer. Allerdings gibt es Bestrebungen, die Konzerte weiterzuführen. Rösslibühne, Kulturschiene und die Meilemer Jazztage boten den Jazzfreunden am rechten Zürichseeufer viele spannende Konzerte, doch ob die Szene nach den Rücktritten von Paul Rostetter und Rolf Schweizer bestehen bleibt, steht momentan noch in den Sternen und nicht in den Programmheften. Vielleicht wird die neue Crew im Rössli mit ihren Jazztagen ja neue Hörer gewinnen können.

 

*Der Autor schrieb diesen Artikel für die Zürichsee-Zeitung und bedankt sich für die Erlaubnis zur Zweitpublikation.